Zuerich. Tagesanzeiger. Über die Parteigrenzen hinweg wird die Stadtpräsidentin dafür kritisiert, dass unter ihrer Ägide
(Präsidialdirektion) eine Fachjury einem Theaterprojekt die Unterstützung mit der Begründung verweigerte, ein weiss gelesener Schauspieler
(white-passing Cis-Mann) könne auf einer Bühne nicht über Diskriminierung nachdenken. Nachdem die Stadtpräsidentin keine Wiederwahl
mehr anstrebt, scheint es nun opportun zu sein, sich kritisch zu äussern. Neben der Bürokratisierung ist es vor allem der viel zu weit
gefasste Anforderungskatalog, in dem Anträge bis ins Detail auf ihre politische Korrektheit geprüft werden, anstatt den künstlerischen Wert zu bewerten, der stossend ist.
03.02.2025.
Tom Wolfe. These zur Zweckentfremdung der Kunst. Aktualisierte Analogie zu Tom Wolfes Buch von 1975.
Zwei Gruppen scheinen die Kunst auch im 21. Jh. für ihre eigenen Zwecke zu nutzen:
Die Wirtschaftselite macht Kunst zu einem reinen Kapitalgut, einem Spekulationsobjekt.
Die akademische Elite macht sie zu einer Plattform für gesellschaftspolitische Diskurse, die nur mit theoretischen Kontext zugänglich
ist, während ihre materielle Umsetzung vernachlässigt wird.
In beiden Fällen wird Kunst nicht mehr primär als ästhetisches Erlebnis geschätzt, sondern dient entweder finanziellen oder
ideologischen Interessen.
Zudem lässt sich (humoristisch) präzisieren: die wirtschaftliche Elite nutzt den Kunstmarkt als Investment,
während ihre Nachkommen an den Universitäten eine moralische Kompensation für ihr privilegiertes Aufwachsen suchen.
Foto: swissinfo
18.12.2024.
Kunsthaus. Kunsthaus Präsident Hildebrand versucht mit einem Schreiben an den Ständerat die
Einführung einer Kommission für historisch belastetes Kulturerbe zu verhindern. Obwohl im Vorstand der Kunsthalle die Delegierten der Stadt die
Mehrheit inne haben und die Stadt sowie zudem persönlich auch die Stadtpräsidentin C. Mauch, sich für diese Kommission eingesetzt hat. Reagiert haben diese
allerdings noch nicht. Andere schon. Der Historiker Jakob Tanner nennt das Bestreben von Hildebrand als Zusammenhänge auf den Kopf stellen (Zitat im Tages Anzeiger).
Hildbrand spricht von einer Enteigung und beklagt einen massiven Wertverlust, sollten Bilder verdächtig oder zurückgegeben werden müssen.
Der Banker in ihm, kann die unheiligen Allianzen einfach nicht lassen. Vieleicht provoziert er auch einfach seinen Rausschmiss, den bisher hat er als Präsident
nur neuen Schulden generiert, die die Stadt übernehmen muss. Vielleicht haben auch diese Sponsoren Druck auf ihn gemacht.
Foto: art salon zürich
06.12.2024.
Olten. Nicht erstaunlich, aber dennoch erwähnenswert: «Die Art Basel ist ein Kartell, das die Schweizer Kunstszene ruiniert».
Fabian Walter, Präsident des Verbands der Schweizer Galerien meint überraschend deutlich im Oltener Tagblatt:
Der Kunstmarkt wird schon geredet, der normale Sammler kann sich diese Preise aber gar nicht mehr leisten.
Es sind steinreiche Investoren, die die Kunst für sich entteckt haben und damit spekulieren.
haben. Ueitgenössische Kunst wird so attraktiv gemacht (der Preis bestimmt de Qualität, wie schon anderswo kritisiert wurde).
Er fordert deshalb Massnahmen: Eine lokal, national ausgerichtete Kunstmesse und meint die Zürcher Kunstmesse, die sich dieses
Jahr schon neu lanciert hat. Sie soll den Dialog mit der nationalen Kunstszene vorantreiben. Er meint, dass prosperierende Galerien
auch wieder in die Förderung
von jungen Kunstschaffenenden (ich hoffe er meint einfach Talente) investieren und so die lokale Kunstszene stärken.
Nach langem Zieren und hoffen doch noch vom grossen Kuchen etwas abzubekommen, ist der Galerienverband nun politisch aufgewacht und versucht seinen
verbliebenen Mitglieder, die den Hyp nicht mitmachen konnten, zu stützen. Deshalb nun auch der Hyp um den Art Salon Zürich.
Quelle: Oltner Tagblatt: Artikel
Foto: artDAyMe 05.12.2024. Sharjah (Schardscha) in VAE. ARTREVIEW hebt Sheikha Hoor Al Qasimi auf das Podest, als die einflussreichste Figur der internationalen Kunstszene.
Sheikha Hoor Al Qasimi ist die Tochter des örtlichen Scheichs und Director of the Sharjah Biennial and founder of the Sharjah Art Foundation.
Ihr Start war die Gedenkausstellung für Enzower, der die Sharjah Biennale 2023 vor seinem Tod 2019 angeplant hatte.
Offizieller Text der Biennale: Die Sharjah Biennale 15 mit dem Motto
Thinking Historically in the Present wurde vom verstorbenen Okwui Enwezor konzipiert
und vom Direktor(in) der Stiftung, Hoor Al Qasimi, kuratiert. Sie reflektiert Enwezors visionäres Werk, das die zeitgenössische Kunst
verändert und die Entwicklung von Institutionen und Biennalen auf der ganzen Welt beeinflusst hat, einschließlich der Sharjah Biennale.
Die Welt schreibt über Sharjah im Reiseführer: Sicherheit: Die Menschenrechtslage in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist kritisch,
auch Touristen kann Gefängnis drohen. Sie sollten sich vorab gut informieren (auswaertiges-amt.de),
strafbar sind unter anderem außerehelicher Sex (auch Vergewaltigungsopfern droht Verfolgung),
Schwangerschaft ohne Ehe, Drogen, Alkohol, Homosexualität, öffentliche Zärtlichkeiten, Kritik am
Islam, Fotografieren (auch per Handy) etwa von öffentlichen Gebäuden, Häfen, Palästen, Brücken und mehr.
01.12.2024. Olten. Das Stadtparlement beschliesst eine Kürzung des jährlichen Etat beim Kunstmuseum Olten von CHF 70'000.-.
Katja Herlach, stellvertretende Museumsdirektorin, spricht von einer erheblichen Kürzung für das kleine Museum. Das KM Olten hatte bereits früher Finanzerungsbedarf, auch weil ein bedeutender
Sponsor abgesprungen ist (CHF 250'000.-). Kürzungen stehen da schief in der Landschaft
Bild: C. Hasenpflug (1802-58), Berliner Dom (1825). Dt. Architekturmaler.
Technik: oil on canvas, Höhe: 58,6 cm; Breite: 76,2 cm)
26.11.2024. Berlin. Massive Sparpläne. 11,6 Prozent des Kulturhaushalts kürzen, so die Idee.
Teilweise verlieren kleinere Kunsthäuser aber bis zu 50% ihrer Mittel. Das zeigt, dass es beim Sparen immer nur unten ans Lebendige geht,
während oben wenig ändert. Die Gründe können vielfältig sein, das Resultat ist es nicht.
Mehr zum Thema: www.dw.com
und https://liz-mohn-stiftung.de
01.11.2024. Zürich. Dem einstigen Geheimdienstler des P27, die 1990 nach der Fichenaffäre eingestellt wurde, sind im Kunsthaus Bilder abhanden gekommen.
Der Umgang mit umstrittenen Persönlichkeiten scheint im Kunsthaus System zu haben. Es zeigt auf, dass die eingebrachten Kunstwerke eher nebensächlich sind.
Sie sind nur die Eintrittkarten für eine sehr exklusiven Club.
Quelle: Tagesanzeiger.
28.10.2024. Ein etwas ungewöhnlicher Ansatz, um lokales Schaffen mehr zu fördern. Aber wenn es nützt ...
Über ein neues Klimabewusstsein im Ausstellungswesen schreibt Alina Tuigend in der "New York Times":
"Museen und Galerien zeigen schon seit langem Kunstwerke mit Bezug zur Klimakrise, aber in den letzten Jahren
ist es für Direktoren und Kuratoren immer dringlicher geworden, die Umweltkosten für Heizung, Kühlung und Beleuchtung
ihrer Gebäude sowie für Verpackung, Versand und Ausstellung ihrer Ausstellungen zu berücksichtigen. Dazu gehört auch
die Untersuchung der Umweltkosten, die durch die Verwendung von importierten Materialien oder Künstlern aus fernen Ländern
anstelle von lokalen Kunstwerken und Künstlern entstehen."
...berichtet das Magazin Monopol.
05.09.2024. Klungelei ist selten so offen sichtbar. Stadtpräsidentin Mauch und Regierungsrätin Fehr
haben in ihrem Mandat im Stiftungsrat der Zürcher Filmstiftung einen offensichtlichen Interessenkonflikt
bei der Neubesetzung der Geschäftsführung nicht verhindert. Wenn Frau Mauch diese Lockerheit bei allen ihren Mandaten ausübt, dann erstaunt
es nicht, dass ihr bei dem Mandat im Kunsthaus die Traktanden und Varias keine Unruhe auslösen.
Interessant ist nun, wie die Zürcher Gesellschaft das Problem angehen wird. Wir wetten: Entschuldigen und darauf hinweisen, dass die Person in jedem Fall die Bestbesetzung ist
und deshalb die Filmstiftung zu hohen Schaden davontragen würde, wenn diese Person zurücktreten müsste. Zudem der persönliche Schaden, mögliche Schadensersatzforderungen.
29.08.2024. NZZ. Besprechung der Ausstellung (I Feel the Earth Whisper) im Frida Burda Museum von Jürg Restorff mit dem Titel: Klangschalen und Kuschelkunst.
Am Ende des Artikels formuliert er seinen Ansatz der Kritik:
Die Ausstellung " Ifeel the Earth Whisper" versteht sich als Reaktion auf die Klimakrise, Umweltzerstörung
und Verlust der Biodiversität. "Kunst und Ökologie", schreibt Robert Fleck in seinem
gleichnamigen Buch von 2023, "erweisen sich seit drei vier Jahren als das Jahrhundertthema der bildenden Kunst."
Doch fragt sich, ob das zentrale Thema der Kunst nicht ein anderes ist?
Nämlich der Mensch. Und zwar in jedem Jahrhundert.
Annie Le Brun: "So wie das Sowjetregime darauf abzielte, Sensibilitäten durch sozialistisch-realistische Kunst zu formen, scheint es, dass der
Neoliberalismus seine Entsprechung in einer bestimmten zeitgenössischen Kunst gefunden hat, die all
ihre Energie darauf verwendet, die Herrschaft dessen zu etablieren, was ich als 'globalistischen Realismus' bezeichnen würde".
What Is Priceless. Schönheit, Hässlichkeit und Politik, 2018.
26.07.2024. Kunsthaus. Stadtpräsidentin Mauch will die Aufklärungsmaschinerie anwerfen und die Herkunft der Bilder lückenlos aufklären.
Besser spät als nie, wird die Geschichte lehren, denn der wahre Bürokrat macht nur die Fehler, die ihm nachgewiesen werden.
Am Ende wird dies die Stadt über einen Extrafond oder über Zahlungen an das Kunsthistorische Institut bezahlen, die als
Verwaltung im Hintergrund agiert und damit nicht das Budget des Kunsthauses strapazieren wird.
Über die zusätzlichen Subventions-Millionen für das Kunsthaus schweigt sich die Stadt noch aus.
Die Marketingabteilung der Präsidialdirektion muss sich die Ausgaben noch schön denken.
09.07.2024. Strategien zur Förderung lokaler Kunst können mitunter auch in die falsche Richtung gehen. Gut ist es, wenn man über die Wirkungen nachdenkt, wie
dies hier Paul Kaiser laut Zitat aus dem Magazin Monopol tut:
"Als problematisch könnte sich bei der neuen Hinwendung zur ostdeutschen Kunst aber die teils starke
Politisierung der vorgestellten kuratorischen Modelle erweisen. Einerseits gibt es eine
Identitätspolitik 'von oben', vor allem durch Förderprojekte des Bundes vorangetrieben,
welche die Ost-Kunst aus postkolonialer Perspektive betrachtet. Andererseits ist der Einfluss
einer regional gefärbten Identitätspolitik 'von unten' nicht zu unterschätzen, die von Kommunen
ausgeht, die in den DDR-Kunstwerken eine Art kulturelles Allheilmittel für die Risse in der Gesellschaft
zu erkennen glauben." Leider bei der TU Dresden noch nicht hochgeladen (Paul Kaiser *1961, Dresdner Bilderstreit 2017).
03.07.2024. Drakonisch-harmonisch oder freiheitlich-verwirrlich? Die Rolle von Kunst in China und dem Westen.
Ueli Sigg erzählte in gewählten Worten (Paulus Akademie) von dem aktuell schwierigen Umgang mit den chinesischen Behörden,
die kein Interesse an zeitgenössischer Kunst haben. Schon gar nicht an dessen Sprengkraft für gesellschaftliche
Veränderungen, die Sigg persönlich, als zentraler Punkt der westlich orientierten Kunst sieht. Gleichzeitig
zeigt er Respekt vor der 5000 Jahre alten chinesischen Kultur und dessen Eigenständigkeit, die der Vorsitzende
im Auge hat. Neben der starken Zensur, die China ausübt, gibt es aber auch ein neues Projekt, wo 50 westliche
MuseumsdirektorInnen eingeladen sind in China 50 KünstlerInnen ihrer Wahl zu zeigen. Wie frei diese Wahl sein
wird und wie vorauseilend der Gehorsam der DirektorInnen ist, wird sich zeigen. Etwas ist noch gleich in China
wie im Westen. An den Kunsthochschulen sind die Frauen bei den StudentInnen in der Mehrzahl. Nicht damit im
Zusammenhang steht, laut Sigg, dass der Kunstmaster sehr beliebt ist, weil es der einfachere Weg einen akademischen
Titel zu erreichen (und damit möglicherweise einen Auslandaufenthalt), anstatt sich die sehr harte Ausbildung z.B.
in den Naturwissenschaften in China anzutun. Sigg sagt auch, dass die Konformität die grösste Schwäche der chinesischen
Kunstausbildung ist. Das freie unabhängige Denken und Forschen wird nicht als Kunsttechnik gelehrt. Trotzdem sind die
Werke, die man zum Sozialistischen Realismus zählen würde, nicht mehr in Mode. Es sind die traditionellen schönen Künste,
die verlangt werden. Wie lange seine Sammlung in Hongkong
noch gezeigt werden dürfen? Er ist vosichtig optimistisch.
28.06.2024 Thema Kunsthaus Nun ist es amtlich, der vorausgehende und der aktuelle Umgang mit der Sammlung
Bührle ist aus Sicht der Provenienzforschung ungenügend. Zudem ist der Umgang mit Bührle, der dreifach von den Umständen der damaligen Zeit profitierte,
wie im heute von Raphael Gross veröffentlichten Bericht steht: "
Bührle profitierte sowohl vom Verkauf von Waffen an NS-Deutschland als auch indirekt von der Zwangsarbeit in NS-Konzentrationslager und
indirekt von (...) Schweizer Einrichtungen, in denen Frauen zur Arbeit gezwungen wurden". Zudem baute er 1936-56 seine Sammlung auf.
In einer Zeit indem jüdische Sammler unter Raub, Druck und Verfolgung litten. 90 Werke wurden von der vorhergehenden Kommission
als "ohne Hinweis auf problematische Zusammenhänge" eingestuft, also zugunsten von Bührle, obwohl gerade dieses Fehlen von Unterlagen, gemäss Gross,
ja eigentlich zu Nachforschungen hätte führen müssen.
Nachdem die Katze aus dem Sack ist, sollte generell über die Sammlung Bührle nachgedacht werden. Der Name Bührle kann zukünftig
nur als Mahnung für den Umgang der Museen mit Donatoren und Stiftungen benutzt werden. Vielleicht sogar in den aktuellen Räumen in Zusammenarbeit
mit erprobtem Personal wie bspw. Maria Eichhorn.
Die wirtschaftlichen und ständischen Vernetzungen dieser Gruppe und ihrer Lobbysten muss transparent gemacht werden, damit ihre Intrigen,
die offenbar moralisch keine Grenzen kennen, nicht die ehernen Ziele der Kunst weiterhin verschmutzen. Auf der
städtischen Homepage heisst es immer noch beschönigend:
Der Unternehmer, Kunstsammler und Mäzen E. G. Bührle (1890–1956) ist bis heute umstritten, sein Handeln wird kontrovers diskutiert.
Zürcher PolitikerInnen (Stadt und Kanton Zürich und die Zürcher Kunstgesellschaft) sollten sich vor Augen führen, dass ihre Passivität gegenüber dieser systemischen Fehlkonstruktion, gewaltigen Schaden anrichtet,
der weit über die Kulturpolitik hinaus hinein in die Gesellschaft wirkt und deren latente Unlust gegenüber einer kritischen Kultur starken Auftrieb gibt.
Nur mit der geballten Faust im Sack kann sich neimand aus der Verantwortung ziehen.
Quelle Zitat: Bernhard Schulz, Monopol, 28.6.2024
03.06.2024 "...ob ... Museen eigentlich noch unabhängige Orte der Bildung und Wissenschaft sind,
fragt Stefan Koldehoff in der Zeit.
Die Bedigungen, die sich Sammler in Museen teilweise ausbedingen sind teuer. Neubauten, Restaurierungskosten und Pflege gehen zu Lasten der Öffentlichen Hand.
In Köln zeigt sich nun exemplarisch, dass diese Deals nur einseitig eingehalten werden müssen. Der Besitzer veräussert seine Werke aus dem
extra erbauten Ausstellungsraum an die Höchstbietenden. Hoffen wir, dass in der Schweiz die kommenden Erben nicht daselbe tun, um ihren
Lebensstandart halten zu können,
sondern das Rückgrad haben, zu sehen, wie viel Anteil die Öffentliche Hand an der Werterhaltung und Steigerung hatte. Das gilt auch dann,
wenn die Verträge unprofessionell und einseitig zu Gunsten der Leihgeber ausgearbeitet wurden.
30.05.2024. Thema Kunsthaus. Im Kommentar (23.05.2024) im Tagi hat Andreas Tobler den Präsidenten der Kunstgesellschaft Philipp Hildebrand daran erinnert,
dass eine neuerliche Erhöhung der Subventionen nicht der richtige Weg ist. Hildebrands Verbleib daran hängen sollte, ob er es schafft,
das Defizit über andere Quellen zu liquidieren; ansonsten müsse er zurücktreten. Nun hat Hildebrand (Nationalbank, Blackrock) in der
NZZ sogar noch preisgegeben, dass
nicht eine Reihe von unglücklichen Zusammenfällen (Verzögerung des Neubaus, Brand, etc.) das eigentliche Problem sind, sondern schlicht der Umstand,
dass die Betriebskosten vor der Abstimmung zum Neubau vom damaligen Walter Kielholz (Ex-CS) unterschätzt wurden. Das ist eine ziemliche Schönfärberei, weil
die Gegner dazumal, deutlich darauf hingewiesen haben. Von Berlin, Wien bis Paris lässt sich dieses Schema immer wieder erleben.
Clever ist die Kommunikationsstrategie. Man schiebt die Probleme auf die vergangenen Führung, entschuldigt sich, verspricht
Verbesserung und möchte
einen neuen exklusiven Club gründen (Patrons Circle), der als neuer Financier auftritt. Das hat eindeutig
System und gründet
auf einer internationale Tendenz bei den reichen Philantropen,
die sich mehr Exklusivität wünschen. Man benötigt in
jedem schönen Land Zonen,
wo eigene Gesetze gelten.
Stadtpräsidentin Corinne Mauch bietet das an. Nützlicher als Hildebrand, der bisher weder den Staat noch seine (Ex-)Geliebte,
die Russin Bogdanova zu Geldspenden überzeugen konnte.
Oder die interessante (malerisch) Sammlung ihres verstorbenen Gatten Dreyfus nach Zürich locken
(Obwohl, die ist auch durch einen der weltweit grössten Agrarkonzerne finanziert ... besser lassen!)
Durch die Krise/Skandal gewinnt man in ein paar Monaten die Zusage für mehr Subventionen, dei den mangelnden eigenen Exploit vertuscht,
darf das wenig kunsthistorisch oder kuntkritische ambitionierte Ausstellungsprogramm
weiter durchziehen und kann dann,
wenn die Zahlen wieder stimmen,
sich gebührend feiern lassen. Kritik gilt in der Jubelstimmung immer als Nörgelei, hat ein Looserimage, darauf kann man sich verlassen. Und auch wnn die Psychologie sagt,
dass schlechte Nachrichten sich länger halten, bei den Erfolgreichen sieht die gelebte Realität anders aus.
Patrons Circle of Metropolitan Museum of Art.
Mehr Eintritte durch Blockbuster, anstatt nachhaltige Strategien
Auch hier kommt niemand auf die Idee mehr die lokale Bevölkerung oder das lokale Kunstschaffen einzubinden. Blockbuster sind
Flugzeuge voll von Kunsttouristen,
die immer das gleiche anschauen, das gleiche erzählt bekommen wollen (Comfort-Binge*). Sie sind die Vorgänger jener Influencer, die an ihren Hotspots der lokalen
Bevölkerung auf den Kecks gehen, Kulturgüter zerstören.
Es spült Geld in die Kassen, klar, aber die Bildungsinstitution Museum wird so zu Grabe getragen. Die richtige Reaktion von Mauch und ihrer Entourage, die
auch im Vorstand der Kunstgesellschaft sitzen, wäre gewesen, den Moment zu nutzen, um die Spielregeln zu ändern.
Entweder bleibt der Fokus wie gehabt und private Gelder übernehmen den grösseren Anteil an den Kosten. Die Subventionen könnten
reduziert werden und für die lokale Kultur eingesetzt werden. Oder aber, man setzt auf eine Strategie, die dimetral zu der
internationalen Ausrichtung verläuft, eine,
die sich fokussiert auf das Kerngeschäft von Museen. Zu bezahlbaren Eintrittpreisen die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Kunst möglichst
neutral vom Kunstmarkt und Investoren an ein lokales Publikum heranzutragen, in Einbindung des lokalen künstlerischen Potentials und
mit der Aufgabe betraut,
diese auf eine höhere Ebene zu tragen. Das wäre eine nachhaltige Vision für eine grosse Institution und würde ihr die
internationale Geltung einbringen, den sich die aktuellen Crew so wünscht. Ob das Umfeld von Blackrock und die hohen Saläre sich dafür eignen?
Scheinbar glaubt der Gemeinderat und Stadtrat von Zürich noch daran. Wahrscheinlicher ist, dass sie es lieber als Alternativlos ansehen,
weil eine Menge gedanklicher
Arbeit damit zusammenhängen würde. Frau Abramovic ist 1946 geboren und noch vital, wie es scheint.
Vielleicht kann sie heuer das politische Personal motivieren. (*)"Wir schauen die Serie hauptsächlich deswegen, um uns in einer gewissen Sicherheit zu wiegen, eine gewisse Vertrautheit zu spüren.
Wir wissen ja was kommt." Daniela Schlütz, Medienwissenschaftlerin an der Filmuniversität Babelsberg
Thema Kunsthaus. 22.05.2024...schreibt der Tagi, das Kunsthaus will 4 Millionen mehr an Subventionen.
Jetzt, nachdem die der Präsident der Kunstgesellschaft und die Direktion ausgewechselt wurden, sind die erhöhten Betriebskosten
durch den Neubau nur noch Altschäden für die niemand mehr zur Rechenschaft gezogen werden kann. Zur Beruhigung der gewählten Politiker
lässt man die Sache noch von einem internationalen Beraterteam analysiern, das hernach feststellen wird, das kaum mehr Handlungsmöglichkeiten
für Sparmassnahmen bestehen. Schon jetzt baut man am Abend ein paar Öffnungsstunden ab. Eigentlich hat man diese eingeführt, um
den lokalen Besucherschwund zu stoppen, indem die Hallen nach Feierabend zugänglich werden. Zudem werden bisherige Gratisleistungen für
die Museumsbesucher kotsenpflichtig. Aber das Interesse der Politik am
Kunsthaus hinter die Fassade zu schauen ist historisch gering. Kielholz, Hildebrand (Philipp Hildebrand fährt mit Kunsthaus
Zürich in die Wand, schreibt inside Paradeplatz) sind Unantastbar in der Zwinglistadt.
Haus Konstruktiv. 02.02.2024. Zitat:"...enthebt die Alltagsobjekte ihrer regulativen Funktion und löst sie aus dem Sinneszusammenhang...sind Zeichen
der Veränderung, fluide Strukturen und sich auflösende Grenzen...blitzen...scharfsinnige Beobachterin."
Aus einer anderen Zeit
Eröffnung Erweiterungsbau 1978 im Kunsthaus
V.l.n.r. Carlo von Castelberg (Gotthard-Bank, pro Rote Fabrik), Präsident der Zürcher Kunstgesellschaft,
Bundesrat Hans Hürlimann (dessen Sohn ist Thomas H.: Roman Der grosse Kater),
René Wehrli, damals Direktor Kunsthaus Zürich, Olga Mayenfisch, Mäzenin, Sigmund Widmer, Stadtpräsident Zürich.
Nach dem Empfang für Presse und Behörden am 26.2.1976, folgte am 28.2.1976 ein Fest für Künstler und
die Mitglieder der Zürcher Kunstgesellschaft, darauf von 29.2.1976-9.3.1976 Gratis-Eintritt fürs Publikum mit Gratis-Tram
zum Kunsthaus und Eröffnungswettbewerb mit 7 Flugreisen für 2 Personen. Erweiterungsbau Bauherrschaft: Stiftung
Zürcher Kunstbaus, Architekt: Erwin Müller, Zürich, Mitarbeit: Heinrich Blumer. Bauzeit: 2.5 Jahre, Finanzielle
Beiträge: Private Schenkung im Betrag 7 Mio. Fr. von Olga Mayenfisch, Witwe des bekannten Kunstmäzen
Dr. Hans E. Mayenfisch, Beitrag der Stadt Zürich von 4 Mio. Fr.
Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Krebs, Hans
Institution Criticism. Von den Gespenstern der Institutionskritik von
Beate Söntgen und Pablo Müller, 2018. Im Rahmen einer Einzelausstellung vom Künstler/innen-Duo RELAX (Marie-Antoinette Chiarenza und Daniel Hauser) an der ETH.
Stadt Zürich Kultur 2023 Fragen sie die Stadt per Email an, ob sie ihnen Auskunft gibt über zukünftige Strategien.
Ansonten das aktuelle Leitbild lesen
Kanton Zürich, Kultur 2023
Fragen Sie den Kanton per Email an, ob er Auskunft gibt über zukünftige Strategien.
Ansonsten das aktuelle Leitbild lesen.
Die Stadtzürcher Kunstsammlung umfasst derzeit 35'000 Werke und werde laufend erweitert. «Im Sinne einer lebendigen Dokumentation der Zürcher Kunstszene», wie Zürichs Kulturdirektor Haerle betont.
Publiziert: 22.03.2013 Tagesanzeiger