Kunstmuseum Zürich









Allgemeine Informationen


Inhaltsverzeichnis



Zusammenfassung der Lage



Angesichts des strukturelle Wandel des Öffentlichen Raums durch die Sozialen Medien, die Verflechtung von Wirtschaftsinteressen und Privatheit – der auch auf den musealen Bereich zugreift – könnte man auf diesen freien Öffentlichen Raum beharren und ihn als Oppositionsfläche zurück fordern.

So in etwa lautet die Expertise von Frazer Ward von 1995. Lang ist es her. Er vergleicht verschiedene institutionskritische Ansätze (Haacke, Wilson, Buren, Rodtschenko, Eichhorn) miteinander und zieht als Fazit, dass aus dem "konservativen" Blickwinkel von Jürgen Habermas (J. Habermas, The Structural Transformation of the public sphere) zumindest die Chance darauf besteht, einen Diskurs zu führen, der die aktuelle konzeptlose Förderpolitik für die Bildende Kunst in konstruktivere Bahnen lenken kann. Allerdings: Nur in einem diskutablen engen Sprachkorsett kann der Kunst auch innerhalb der Institution einen Raum zugestanden werden, der nur die Repräsentanz seiner Selbst beinhaltet. Sprachliche Diversität dient hier der Sache f%uumlr einmal also nicht. Deshalb darf Idealistisch mit einem konservativen Flair genannt werden. Man will zuerst das Ziel erreicht haben, bevor man es vielleicht ganz aus den Augen verliert. Im Grunde ist es eine Neubewertung kunsthistorischer Ereignisse mit mehr lokaler und technischer Gewichtung. Beide schaffen eine Transparent durch die ihre Kleinräumigkeit oder ihre pysikalische Präsenz. Ein Überdenken und Verbessern von bestehenden Konzepten, die auf alten Fundamenten aufbauen. Keine Revolution.

Fehlende Kontrollinstanzen

Der grosse Brocken ist der Filz ausVerflechtung von Kapital und Privatheit, der in den Institutionen sich über die Jahrzehnte eingespielt hat. Innovation findet nur dort statt, wo sie als diese eine reale Reduktion der Leistung verschleiert. Man initiert ein neues "jugendliches" Gef6aumlss im Keller, das durch Studenten und externen Geldern günstig zu realisieren ist und legitimiert dadurch den gesetzlichen vorgeschriebenen Innovationszwang und die Einbindung in das lokale Kunstgeschehen. Dadurch verliert nicht nur die freie Szene auch noch Fördergelder. Der Vorteil daran ist, dass der Tagesbetrieb davon nicht betroffen ist, keine Kosten anfallen und jedes dieser Projekte kann jederzeit fallen gelassen werden. Es sind dieselben Kräfte udn Mechanismen, die zurzeit unsere Demokratie schwächen. Sogar die NZZ bemängelt den schwächelnden Gemeinsinn in der Gesellschaft. Kulturelle Institutionen verhalten sich nicht anders als grosse Unternehmen. Institutionen sind Einheiten der öffentlichen Verwaltung und suchen letztlich nur Sicherheit und Stabilität aus Eigennutz. Jede Veränderung von Aussen wird als persönlicher oder existenzieller Angriff gewertet. Die Politik tut dagegen nur wenig. Sie geht davon aus, dass eine Institution sich von Innen verändert und die Vorstände dazu gewählt sind, die Entwicklungen nötigenfalls zu korrigieren. Wenn dies nicht funktioniert, gibt es keine demokratische Möglichkeiten mehr einzugreifen. Sie ist dann auf die Empörung und den Idealismus von Aussen angewiesen. Diese Empörung oder Initiative tritt aber nur auf, wenn die lokale Gesellschaft an den Prozessen in den Museen beteiligt ist und an ihnen emotional teilhat. Dazu muss sie adäquat informiert sein über Inhalt und Form. Politisch und institutionell über den Journalismus und fachlich liegt es in der Hoheit der Kunstwissenschaften die Öffentliche Meinung zu informieren. Sie könnte nicht qualifizierte Tendenzen innerhalb der Institutionen erkennen und den engen "konservativen" Rahmen den J. Habermas favorisiert, herstellen. Ihre Analyse beinhaltet aber nur Gegenwart und Vergangenheit. Zeitgenössische Tendenzen wird von der Kunstkritik bearbeitet.

Kunstwissenschaften und Kunstkritik

Bisher hatten die kunsthistorischen wie kunstwissenschaftlichen Institute kein Interesse an einer Veränderung. Ihre institutionelle Repräsention und Wertigkeit haben sich erst in den 1990iger gegen die Laienurteile der Bürgerlichen durchgesetzt, resp. man hat beidseitig gelernt sich zu arrangieren, sich die Plattformen zu teilen (Kein neuer Lehrstuhl ohne Mäzene, keine Hochschule ohne bürgerlichen Support). Schon in den 1980iger, als das Ansehen der Kunst in der Gesellschaft sank (Juppies und 1980iger Ästhetik) gingen beide Parteien lieber dem Konflikt aus dem Weg. Das viele Geld, das bis zur Finanzkrise 2009 zur Verfügung stand, gab ihnen genug Spielraum. Eine karakterlose Wette auf Kosten der Substanz der Kunst, die sie verloren haben, aber heute nicht selber auslöffeln mögen. In den kleineren Städten der Schweiz kamen irgendwann Allianzen zustande, wie z. B. in Bern mit dem Zentrum Paul Klee. Weder touristisch noch kunsthistorisch relevant, wurde ein Mahnmal ür den Nichtangriffspakt zwischen den denkerischen, unternehmerischen und feudalistischen Elite auf die grüne Wiese gestellt. Kritik, um die Öffentlichkeit zu informieren und die Kunst zu schützen, blieb aus.

Die Untätigkeit und Schwäche hat dazu geführt, dass ein dritter Player, das private Kapital, ungehindert seine Macht ausbauen konnte. Wie ein Krebsgeschwür, zapft er die Fördergelder der staatliche Institutionen an. Nicht immer so unverfroren, wie es der aktuelle Präsident Philipp Hildebrand des Kunsthaus Zürichs kann, der jüngst die Anlegestrategie der SammlerInnen für schützenswerter hielt als die internationale Reputation des Hauses. Wenn möglich hat er damit sogar Recht. Vielleicht aber bringt dieser Affront die Zürcher Stadtregierung endlich mal zur Besinnung. Mit den Eliten, sagt selbst Hildebrand gemäss Inside Paradeplatz: „Mit der Globalisierung der Unternehmenskultur hat sich teilweise sicher auch die Verbundenheit mit lokalen Institutionen abgeschwächt.“, ist nicht mehr zu rechnen.

Das Fördersystem fährt in die falsche Richtung

Ein Museum der Gegenwart muss in seiner Strategie kritikfähig und transparent sein. Die Kommunikation muss im Öffentlichen Raum stattfinden. Das Publikum muss eingebunden sein, damit nicht die Institution oder Einzelinteressen repräsentiert sind, sondern alle demokratisch legitimen Mitglieder der Gesellschaft kommen auf den Prüfstand indem sie direkt in Kontakt mit dem Kunstschaffen kommen. Wesentlich ist dabei die authentische Quelle für die auszustellende Kunst. Für die Institution kunstgeschichtlich überblickbar und glaubwürdig durch ihre transparente Produktionbedingungen. Dieses Kriterium erfüllt nur das lokale Kunstschaffen. Die Zuführung externer internationaler Qualität macht erst dann Sinn, wenn die lokale Produktion auf dem gleichen diskursiven und wissenschaftlichen Niveau behandelt wird. Das schliesst zwischenzeitliche anregende Gefässe nicht aus, reduziert sie aber deutlich.

Eine institutionskritische Kunstkritik könnte versuchen, hier auch noch einmal aktiver vorzugehen
und Modelle und Vorschläge zu entwickeln, was gute Institutionen sein können.

Beate Söntgen, 2018.





1. Gruppenausstellung, 2024, Temporärer Kunstraum, Klingenstrasse Zürich 2. Gruppenausstellung "verbinden" Helmhaus 3. Ausstellungsansicht Hauser & Wirth 2024

Kulturarbeit hat durch das heutige System einen schlechten Ruf

Die "Logik der Polizei", wie Rancière das Wesen der Verwaltung (nicht abwertend) nennt, die Millionen von öffentlichen Geldern dem Erhalt einer offensichtlichen Ungerechtigkeiten oder Verschwendung (Kunstmarkt, Kunsthandel und den Erben von Nachlässen) zukommen lässt, bringt immer zyklische Ressentimentsschübe hervor, die die politische Glaubwürdigkeit untergraben. Deshalb hat die hohe Kultur (und mit ihr die Kunst) heute einen schlechten Ruf und der Wille, sich damit auseinanderzusetzen, bessert sich auch nicht durch die pädagogisch anmutenden Maßnahmen der Stadt und des Kantons, das Niveau an die Laien anzupassen. Im Gegenteil, es beweist dem Kritiker gerade, wie auswechselbar und beliebig die Kultur aktuell gestaltet ist. Respekt holt man sich bei Kindern ja auch nicht durch Anbiederung.

Die Funktionäre riskieren das Potenzial der Kunst (Kultur) in der Gesellschaft zur Stütze der Demokratie fahrlässig. Sie braucht die Kunst (Kultur), um die ungesunden Entwicklungen des Kapitalismus abzufedern. Tut sie das nicht, wird der Kapitalismus zum totalitären System. Der Anfang ist gemacht, wie Philipp Loser im Magazin schreibt ("Wer ist grausamer, wer ist zynischer", 07.07.2024).

Wie ein Kunstmuseum das lokale Kunstschaffen fördert

Es ist die soziale, intellektuelle und künstlerische Reibungsfläche der Kunstschaffenden. Es ist der Ort des Wettbewerbes, wo Ideen und Umsetzung in Echtzeit verhandelt werden, aber auch mit Kunst der Gegenwart, der Moderne oder mit Arbeiten der Klassiker verglichen werden kann.

Es ist der Ort wo die Kunstschaffenden auf die Kunstinteressierten treffen und sich auf Einladung durch das Museum austauschen. Das Museumspersonal führt die Veranstaltung durch, sieht seine Rolle, ausser bei der kunstgeschichtlichen Einordnung, im Hintergrund als Dienstleister.

Selbstbewusst auf das lokale Kunstschaffen fokussieren, wie das 100 Jahren bereits Ferdinand Hodler (1853-1918) einmal erfolgreich einforderte, als der Nationalstaat als Gesellschaftskitt in Mode war. Das war ihm auch gelungen, weil die einheimischen MalerInnen der Zeit, sich mit den den Kunstschaffenden aus Rom, Berlin oder Paris messen konnten. (Bild: Lexikon der Kunst, verlag das europäische buch, westberlin, 1981)

Wie die Stadt profitiert

Ein Kunstmuseum lokaler Prägung wäre bedeutend nachhaltiger und wirtschaftlicher für die Stadt, als es alle bestehenden Institutionen der Kunst in ihrer gegenwärtigen Ausrichtung zusammen sind. Bei den Kunstschaffenden das Material einzuschränken, indem nur ökologisch unbedenkliche Stoffe verwendet werden dürfen, wie dies das Amt für Kultur ausschreibt, ist nicht nachhaltig, sondern an der Stelle absurd, wenn nicht sogar öhnisch im Verältnis von Ursache und Wirkung der gesammten Umweltproblematik. Es beweist, dass das Amt bereits in kafkaesken Höhen mit einer neu besetzten internen Nachhaltigkeitsbeauftragtenstelle schwingt, statt sich konrekten Problemen zu widmen. Nachhaltigkeit bedeutet hier etwas anderes, wie wir weiter unten ausführlicher beschreiben.

Was kann man tun?

In der heutigen Realität des Kunstsystems Zürich fehlt diese Grundlage. In den meisten europäischen Grossstädten ist die Förderung dazu übergegangen, die Subkulturen soweit zu unterstützen, dass sie im Alltag der Bevölkerung ein niederschwelliges Angebot anbieten kann. Der Trick dazu ist u.a. den mangelnden Ausstellungsraum gerechter aufzuteilen. Anstatt pro Haus einen Chefkurator auszuwählen, der weitere Kuratoren nach seinem Gusto engagiert, werden mehrere Kuratoren mit unterschiedlichen Profilen ausgewählt, die die Breite des Kunstschaffens besser abdeckt und gemeinsam das Haus bespielen. Also nicht, wie in Zürich, eine homogene Gruppe pro Haus zu installieren, setzt man auf heterogene Leitungen, die sich untereinander stimulieren. Darüber hinaus wird die Ausstellungskadenz erhöht, um auch Platz für das Angebot zu schaffen.

Dadurch entsteht dann viel eher wieder eine breite Akzeptanz des Kunstschaffens im Lokalen und für das Publikum ein vielfältiges Programm an einem zentralen Ort, wie sich das der Kunstförderung der Stadt Zürich auf dem Papier vorschwebt.

Der → Blick in das Ausland zeigt auch, dass Grossstädte von einem regen lokalen Austausch profitieren und deswegen die Attraktivität für Touristen nicht sinkt. Es werden sogar eine Reihe von neuen Jobs entstehen, die den Kunstschaffenden als Einkommensgrundlage dienen.

Konkrete Massnahmen haben anfangs trotzdem wenig revolutionären Karakter:

Die Berührungen zwischen der lokalen und der global ausgerichteten Szene werden nicht speziell gefördert. Sie funktionieren autonom und sind für beide Seiten möglich, aber für keine der Seiten wirtschaftlich essentiell. Die Kommunen müssen nur darauf achten, dass ihre Gelder bei grossen Institutionen nicht vom Markt (oder von Direktorengehälter) zweckentfremdet werden. Damit schliesst sich der Kreis. Die Macht der grossen Häuser über 96% der Kulturgelder muss mit der Förderung des lokalen Kunstschaffens verbunden sein. Sie ist der Leistungsausweis. Auf den Statutenpapieren steht das teilweise sogar explizit. Nur umgesetzt wird es weder von den Leitungen der Institutionen, noch von der Aufsicht, den Vorständen, oder von der Überaufsicht, der Politik.


Der Blick zurück

Die Forderungen sind nicht neu und nicht mal originell


Unsere Argumente sind nicht neu, sondern sind seit jeher Teil der Argumente von KünstlerInnen, Berufsverbänden und KulturtheoretikerInnen. Hier drei externe Quellen:

1. Die visarte (Verband für visuelle Künste Schweiz) gab 2020 dazu eine Stellungsnahme heraus.

2. Die Künstliche Intelligenz kann sich auch etwas zusammenreimen. Hier seine Massnahmen, die er/sie vorschlägt.

3. Jene Argmumentation vor hundert Jahren, die aktuell wie eh und je ist:
Carl Vinnen und der Bremer Protest von 1911 (unterschrieben auch von Käthe Kollwitz).

Geschichte der Kulturförderung in der Schweiz (nur die Rosinen herausgepickt, Stand 04.01.2025)

Die Förderung der Kultur und Kunst fing historisch klein an und hat sich über die Jahrhunderte in den Städten entwickelt, je nach Bedarf und wirtschaftlichen Möglichkeiten von Wirtschaft und Politik gefördert u.a. auch als Wettbewerb unter den Städten und Kantonen. So hat die Förderpraxis, wie unter Früher war alles besser eingehender erläutert, lange Zeit sogar nur lokales Kunstschaffen gefördert. Das Ziel war mit lokalen Grössen prahlen zu können. Wer sich das leisten kann, war eine angesehne Stadt, ausgestattet mit klugen Köpfen. Nach dem Start des Schweizerischen Bundesstaats, als ausländisches Schaffen z. B. aus Paris unter den hiesigen Patrizier und hohen Beamten zur Mode wurde, gab es eine Umkehr, die durch die heimischen KünstlerInnen angetrieben wurde. Die bereits 1866 gegründete Gemeinschaft Schweizer Maler Bildhauer und Architekten (GSMBA) initierte u.a. den Bau von Kunsthallen zur Förderung des lokalen Schaffens, damit die ebenso in repräsentablen musealer Architektur gezeigt wird, wie es im Ausland in den protzigen Gebäuden der Monarchien der Fall war. Nur so konnte der Wettbewerb spielen. In den meisten Fällen hat die Nachfolgeorganisation der GSMBA, die visarte, heute noch ihre Künstlervertrettungen in den Vorständen dieser Kunsthallen. In Zürich hat sich dieser kleine Einmischungsmöglichkeit des lokalem Schaffens erledigt. Weshalb gehen wir u.a. in unserer Recherche der Geschichte auf den Grund. Es gibt aber eine Grundregel bei der Besetztung von Mitglieder von Vorständen in den Kunstinstitutionen. Je höher das Budget, desto höher ist der Status des Amtes und desto kleiner der Anteil der Personen, die nur fachliche Kompetenz ausweisen.

Dezentral, regional und autochton, sagte bereits C. A. Loosli (1877-1959), Künstler sind gegenüber ihrem Volke Outsider¹, sind Individualisten und Sonderbündler... und er meinte es positiv, denn ...behüte uns vor einer einheitlichen Helvetik in Sachen Kunst, den daraus enteht eine schlechte Akademie. Ein Votum für die Kunst des Individuellen in seiner sozialen und politischen DNA, die Enwezor (1963-2019, 1998–2002 künstlerischer Leiter der documenta 11) ein halbes Jahrhundert später wiederholte, als der neoliberale Markt die Kunst heimsuchte. Was sich im Übrigen auch auf die Grundsätze der Schule für Kunst und Design in Zürich beziehen lässt, die als erste unabhängige Kunstschule sich für einen freieren Schulung angehender Künstler aussprach, als dies an den Kunstgewerbeschulen der Zeit möglich gewesen wäre. Die F + F ist dadurch auch ein Prototyp der heutigen schweizer Kunsthochschulen, die z.B. mit ihren Interdisziplinären Instituten an die Ideale des Black Mountain College anknüpfen. Während die F + F zu klein ist um grössere Wellen schlagen zu können, ist die ZHDK mittlerweile als Monopolist zu einer Bedrohung geworden, die vor allem die städtische Kulturförderung nach ihren Interessen beinflussen darf.

Einst als Rechtschaffenheit beschrieben, heute Integrität genannt

Loosli meinte dazu auch, dass der harte Boden, auf dem die Künstler in der Schweiz arbeiten, ihnen dabei hilft, keine Konsessionen einzugehen und Rechtschaffen zu bleiben. Schuster bleib bei deinen Leisten, meint er damit. Der harte Boden ist positiv gesehen der Umstand, das in der Einfachheit auch eine Qualität liegt, so wie es im Design solche Lehrsätze gibt. Negativ gesehen ist es die gleiche Argumentation, die die Gegner einer lokalen Kulturförderung anwenden. Es sind zwei Parteien. Erstere träumen von den Verhältnissen von Gotthelfs Zeiten. Zweitere sind Vertreter der Institutionen und des Kunsthandels, die eine gewisse Undurchlässigkeit für die Künstler aus ihnen fremden Millieus schätzen. Beide folgen dadurch dem Mär des amerikanischen Traums, der durch soziologische Studien längst wiederlegt worden ist. Ohne regulative Eingriffe funktioniert der global orientierte Kunstmarkt nicht. Er ist der Krebs, der auch die kommunalen Gelder für seine Interessen instrumentalisiert.

Ja (auf die Frage nach Gott), ich glaube an mich, ich bin der Größte, ich bin der Allergrößte! sagt Gerhard Richter (1932-) gemäss Sigmar Polke (1941-2010) 1964 zu Anthony Twaites (1909-81 in einem heiligen Ernst zu nehmenden Selbstschutz, der einer harten Rechtschaffenheit preist: Macht und Position können ebenso korrupt machen wie das Geld. Eine Situation, wo die Kritiker sich decken und die Schützlinge der anderen respektieren, führt zu einer geistigen Korruption, die die Kunst erwürgt. (Beate Eickhoff, 2001). Das Abgedrehte nutzen natürlich viele Künstler aus, um sich damit wichtig zu machen und um Jünger um sich zu scharren, die von der Leichtigkeit nur wenig verstehen. Hat er Glück,ist es ein Mäzen, der das Portemonnaie zückt und sich dennoch in Zurückhaltung übt. Es gibt manchmal doch einen Gott, sagt Max Liebermann (1847-1935) und malt Ziegen vor das Strandhaus.



Konkrete Ziele und Projekte



1. Eine Plattform für das lokale Kunstschaffen


a. Als Konkurrenz neben oder in den bestehenden Institutionen. Ohne direkte Konkurrenz sind die Ausstellungen in den Institutionen für die lokale Bevölkerung nicht kontextualisierbar und sind in dieser Form als Bildungsinstrument wertlos. Internationale Blockbusterausstellungen mit internationalen Stars aus internationalen Galerien, die ein international orientiertes Publikum hofieren, sollten sich ein selbstverständliches lokales Kunstverständnis einfügen. Nachhaltigen Konzepte, welche die lokale Politik für die lokale Bevölkerung vorsieht, müssen auch kontrolliert werden und an die Realität der Kunstschaffenden angepasst sein.

b. Als Wettbewerbsplattform unter dem einheimischen Kunstschaffen und als Brückenbauer der zeitgenössische Kunst für die Bevölkerung.

2. Ausstellungsprojekt


Um das Anliegen für die Institutionen zu konkretisieren, braucht es ein praktikables Ausstellungsprojekt (Projekt 1.)

Ein Ausstellungsprogramm in der Laien, Kunstinteressierte und -experten, trotz ihrer unterschiedlichen Erwartungen, eine gemeinsame Schnittmenge vorfinden. Das Format muss den Diskurs auf die technischen, inhaltlichen und strategischen Prozesse ausrichten, die in einer fassbaren und realistischen Korrelation mit dem Gegenstand und seinen materiellen Eigenschaften stehen. Zeitgenössische Kunst ist mehr als nur der Umstand, dass die AutorIn in der Gegenwart lebt.

Arbeitstitel: Hommage to the square (Konzeption und Umsetzung eines Ausstellungskonzepts)



3. Histoire


Bei einem Innovationsstau bewährt es sich in der Projektarbeit eine saubere Aufbereitung der Geschichte vorzunehmen. Wie hat sich Zürich aus kultureller und spezifisch künstlerischer Sicht entwickelt? Ausgehend von Hochmittelalter bis heute.

Erkennen wir dadurch vorhergehende Änderungen und Vorschläge sowie deren Folgen? Und was lernen wir daraus?

Historie



Was ist Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit für Bildene Künstler heisst für die Kulturförderung einer Stadt, die etwas auf sich hielt: Zahlbare Ateliers, Förderung, Ankäufe und Preisvergaben durch die Öffentliche Hand, ausgewiesene Fachkräfte (Jung und Alt) mit repräsentativen Präsentationsräumen sowie ein lokaler Kunsthandel mit Anbindung in ein überregionales Zentrum. Das Konzept hat sich gehalten. Auch weil die GSMBA und die visarte als Vertreter der Künstler einen Einsitz erhielten. Je kleiner die Städte desto höher ihr Einfluss. In kleineren Städten amtet sie sogar als Förderstelle, während bei grösseren Städten ihr Einfluss wesentlich geringer bis mariginal ist, da dort Kunstmarkt, Kunstinstitute, Mäzene und die Patrizier um den Einfluss konkurrenzieren.

Ab den 1990iger Jahren veränderte sich die Lage langsam aber konstant. Die Städte entwickelten neue Nutzungskonzepte für den öffentlichen Raum und förderten niederschwellige Kulturangebote für die Masse. Das Angebot veränderte sich von der originalen Kunst zu reproduzierbarer Unterhaltung, die sozial-medien-gerecht Familien ansprechen sollte und zugleich keine Touristen verschreckt mit anti-religiösen Aufklärungsthemen. Die Mainstreamkriterien waren gesetzt, der Verlust an Identität und Integrität der Kunst auf lokaler Ebene systemisch gesetzt worden. Überregional udn landesweit ist der Kunstdiskurs in den Zeitungen die Feuilletonist weggespart worden. Infantilität ist im Kapitalismus wie in totalitären Systemen die Methode Kritik schleichend zu eliminieren, um dem fröhlichen Konsum von schlechter Massenware Platz zu machen. Nachhaltigkeit wird umgedeutet. Die Erreichbarkeit der Masse ist die Maxime und man muss kein besonders geschichtsbewusster Politiker sein um zu wissen wohin das führt.

Die Förderung der Kultur oder Kunst hat darauf auch nach drei Dekaden noch immer keine Antwort gefunden, obwohl ihr Auftrag an Klarheit nichts zu wünschen offen lässt. 2-3 Generationen von Kunstwerken, ihre Bemühungen und Strategien dürften bereits für die Geschichtsschreibung verloren sein. Kein guter Leistungsausweis für die aktuellen AmtsinhaberInnen.

Kurzportrait der Institutionen

Kunsthalle

Gegründet 1985, Vermittlung internationaler Gegenwartskunst. Offiziell müsste das Kunsthaus auch lokales Kunstschaffen ins Programm einbinden, sie tut dies marginal. Meist werden die Produktionen in Gruppenausstellungen integriert, die sich optisch und inhaltlich an die anderen gezeigten Werke anlehnen. Oft entstehen die Plattformen auch in Kooperationen mit Galerien. Bearbeitet also ein Feld, das die KünstlerInnen erst aufnimmt, wenn diese sich von den internationalen Stars nicht mehr unterscheiden. Deshalb meist in minderer Qualität, was Zürichs schlechter Ruf als Produktionsstandort für Kunst noch weiter sinken lässt.

In jüngster Zeit hat die Kunsthalle mehrere Initiativen gestartet wie Reading Rämistrasse. Als Reaktion auf das Verschwinden von Kunstkritik in den Zeitungen gedacht, darf Benedikt Bock (1987, Künstler und Mitglied der städtischen Kunstkommission) die Tiefe der Äußerung "Ich weiß genau, wie du aussiehst, wenn du an Schokolade denkst." erläutern. Es gibt Ausnahmen, wie die Kritik von Samuel Haitz an einer Schau im Clubhaus des Kunsthauses. Ein weiteres Projekt ist die Akademie. Der Aufbau einer Tribüne, der als Akt selbst in Zusammenarbeit mit der ETH einfließt und später dann als funktional bei Vorträgen eingesetzt wird. Themen dieser Vorträge sind entsprechend den Teilnehmern im Bereich der Anwendungen von Architektur und Technik, KI und irgendwie Kunst. Künstlerischer geht es in den Backrooms im Keller (Foto, Cedric Mussano) zu, wo der Habitus und die künstlerische Praxis mit Aktenordner analysiert wird. Die Installation einer U-Bahnstation liegt da drin oder Musikprojekte, oder Kleistaustellungsräume. Im Prinzip hat sich die Kunsthalle eine eigene OFF-Space-Welt ins Haus geholt, die sie mit StudentInnen bespielt.

Kunsthaus

Eröffnung 1910 des Moserbau an der heutigen Lage. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Budget 23 Mio. (2018), davon von der Stadt Zürich 10 Mio., vom Kanton 4 Mio. und Spenden leider nur 136.757. Bei den illustren Gönnerinnen und Vorstandsmitgliedern ist das ein schlechter Leistungsausweis. Mit dem Erweiterungsbau kommen noch ca. 7 Mio. Betriebskosten dazu, die man im Wahlkampf unterschlagen hatte. Zurzeit versucht man hinter den Türen, diese Finanzmittel neben den ordentlichen Subventionszahlungen durchzuschummeln. Wird also interessant, wie plötzlich dann doch noch Geld für die Kultur frei wird. Offiziell müsste das Kunsthaus auch lokales Kunstschaffen ins Programm einbinden. In der Realität sind es Alibiübungen, wie die lächerliche Figur im Außenbereich von Pippi Lotti Rist oder Einzelthemen, wie Kunst und Feminismus, die auf Einzelinitiativen von Stakeholdern zurückgehen. Dadurch betätigen sie zwischenzeitlich auch Sammlungsankäufe, wenn auch konzeptlos. Unter dem Strich springt für die Summe an Zuwendungen zu wenig für die Gesellschaft heraus. Eine demokratische Legitimationsbemühung müsste in diesem Jahrhundert anders aussehen. Leider ist in diese ernsthafte Richtung noch nicht mal angedacht, da Zürichs Establishment seine Minderwertigkeitskomplexe erstaunlich lange und beharrlich mit sich trägt.

Museum Rietberg

1952, Museum für Kunst aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien. Hier drängt sich eine engere Kooperation mit der lokalen Kunstszene geradezu auf. Das Thema der Rückführungen und das Problem der Adressaten dieser Kulturgüter braucht eine neuartige Auseinandersetzung, die möglicherweise zudem nebenbei die unnötige Diskussion über die Anneignung fremder Kulturgüter in der Kunst (Kultur) zu einem für andere Felder auf eine konstruktive Weise zu Ende bringt.

Haus Konstruktiv

1987, Museum und Ausstellungshaus für konstruktive, konkrete und konzeptuelle Kunst. Eigentlich architektonisch und museal ungeeignete Ausstellungsplattform für die kantonale Kunstausschreibungswettbewerb. Aber immerhin. Zieht jetzt ins Löwenbräu um. Verursacht dadurch noch höhere Betriebskosten, die das Kulturbudget weiter zu Ungunsten der Kunstschaffenden beeinflusst. Wenigstens wird die Plattform für die kantonale Ausschreibung nun eine adäquate Ausstellungsfläche haben. Es gibt aber auch Gerüchte, dass mit dem neuen Ort diese Kooperation auf Dauer auslaufen soll.

Helmhaus

1988/2001. Lokale, Zürcher Gegenwartskunst. 100 bis 150 KünstlerInnen können hier jährlich ihre Werke präsentieren. Klingt schon mal sehr gut. Der Konstruktionsfehler ist, dass der Direktor oder die Kuratoren keine Einschränkung bei der Auswahl haben. Im Helmhaus etablierte sich unter der Leitung von Simon Maurer seit 2016 eine Ausrichtung auf jüngere KünstlerInnen. Im Laufe der Jahre hat sich das Programm dem internationalen Trend für eine rein konzeptuelle Konstitution der Kunstwerke angepasst. So zeigt sich auch in den Jahresausstellungen, die ein Überblick über die Kunst aus der Stadt Zürich zeigen sollte, eine erstaunlich homogene und jährlich auswechselbare Ausstellungen, die in dieser Form völlig unnütz ist, da sie weder kunsthistorische oder künstlerische Kriterien einbindet.

Shedhalle

Die Shedhalle ist ebenso auf junge Kunstschaffende ausgerichtet. Sie grenzt sich vom Helmhaus dadurch ab, dass sie die Kunst als imaginäres Phänomen behandelt, das auf der sozialen Ebene verhandelt wird.

"Die Shedhalle als Raum für prozessbasierte Kunst. Der Prozess ist ein Werkzeug, um der Kunst unbekannte Handlungs- und Denkräume zu erschließen. Er ist der Kern unserer Arbeit in der Shedhalle. Wir führen damit eine Entwicklung weiter, bei der sich die Autorität von KünstlerInnen und Institutionen zum Publikum verschiebt. Kunst ist an der Herstellung konkreter Gemeinschaften beteiligt," schreibt das aktuelle Leitungsteam.

Epilog

Kultur Stadt Zürich müsste handeln, um das eklatante Übergewicht der Förderung für spezifisch jüngeres und künstlerisch sehr einseitiges Kunstschaffen auszugleichen. Der Zorn der Jugendlichen, die sich unfrei fühlen, kann ein Motor sein um Kunst zu produzieren. Kunst kann auch ein Dampfventil sein für die Gesellschaft, da ihnen sonst der Druck, den die Jugend ausübt, weil sich diese in der aktuellen Verfassung der Welt mit den akuten Zukunftsproblemen und dem existenziellen Druck auf das Individuum in der Leistungs- und Konsumgesellschaft mit gutem Recht beklagen, um die Ohren fliegt. Diesen Anspruch an die Kunst zu haben ist berechtigt. Aber eigentlich sind für die Experimente die Kunstschulen da, dafür gibt es die OFF-Spaces usw.. Für die Erwachsenen braucht es aber neutrale Institutionen mit einem wissenschaftlichen Anspruch, mit einem Kanon, der durch Austausch und Diskurse beweglich gehalten wird, ausserhalb der Snobs! (siehe Manifest von Carl Vinnen). Gleich wie die Gesellschaft auch Regeln braucht um ihren Haushalt in Ordnung halten zu können. Den Kopf in den Sand zu stecken hilft da wenig.

Dockart

Die private Initiative begann 2003 an den Gleisen beim Hardplatz. Bis 2026 ist das ewige Provisorium noch von der Stadt geduldet und seit kurzem auch finanziell unterstützt. Die beachtliche Sammlung von Zürcher KünstlerInnen stammt u. a.aus ihren Nachlässen. Wohin die Reise geht ist unbekannt, da die Stadt zurzeit wenig Optionen aufzeigen kann, wohin die Sammlung umsiedeln könnte. Problematisch dabei ist, dass trotz der unterschiedlichen Qualität der Exponate, die Sammlung eine zeitdokumentarische und kunsthistorische Grösse für Zürich hat, die in anderen Städten über ein Kunstmuseum teilweise abgedeckt wird. Gerade daran zeigt sich die Lücke im Planspiel der Stadt.

Hier Videos von Veranstaltungen von 2022 und 2023, damit man sich einen kleinen Überblick über die Grösse der Sammlung machen kann, auch wenn die grosse Plastikabteilung darauf nicht zu sehen ist: 1.
Video von Ines Anselmi 2023, 2. Video von Ines Anselmi (Hannes Bossert 2022) Video von Ines Anselmi 2024

Kunstraum Walcheturm

Seit über 20 Jahren leitet Patrick Huber den Kunstraum Walcheturm. Er erhält auch 2023 den Kulturpreis für Musik. Ein Beispiel dafür, wie sich ehemalige Ausstellungsmöglichkeiten für die klassische Bildende Kunst schleichend aus dem Programm gekippt wurden.